Ossetien – Krieg

Bei einem georgischen Militärüberfall auf Zchinwali am 8.8.2008 wird die Stadt stark zerstört

Im Sommer 2008 verschärft sich der Konflikt zwischen Südossetien und Georgien wieder. In der Nacht zum 8.8.2008 beginnt überraschend eine massive georgische Offensive, anscheinend in der Hoffnung, an diesem symbolträchtigen Datum das Ossetienproblem im Handstreich lösen zu können – oder wenigstens neue Argumente für einen Nato-Beitritt Georgiens geliefert zu bekommen, den Saakaschwili anstrebt.

Georgische Einheiten können auch zunächst weite Teile Zchinwalis erobern. Bei dem massiven Beschuss werden nach südossetischen Angaben am ersten Tag bereits 1.400 Zivilisten getötet. Später werden diese Zahlen wesentlich nach unten korrigiert. Unter den russischen Friedenstruppen werden 15 Soldaten getötet und über 70 verwundet. Die südossetische Regierung bittet Russland um militärische Hilfe.

Der Kaukasus steht an der Schwelle zu einem großen Krieg

Nachdem südossetische Einheiten zwei Tage lang Zchinwali auf sich selbst gestellt teilweise halten konnten, können russische Panzer der 58.Division aus Nordossetien sehr schnell Zchinwali vollständig zurückerobern und beginnen mit einer Operation „Zwang zum Frieden“, mit der weitere georgische Angriffe ausgeschlossen werden sollen.

Michail Saakaschwili erklärt in Georgien die allgemeine Mobilmachung und bittet die USA um Unterstützung.

Aus Abchasien machen sich Freiwillige auf den Weg nach Südossetien. Abchasische Militäreinheiten rücken in Richtung georgischer Grenze vor.

Aus Südossetien fliehen viele Menschen über die Berge in den Norden.

Ruhiges Hinterland Nordossetien?

Die nordossetische Republik im europischen Russland liegt zwischen den ebenfalls zu Russland gehörenden Republiken Karbadino-Balkarien im Westen und Inguschetien im Osten. Im Süden grenzt die Republik an Georgien.

Nordossetien hat ein Hoheitsgebiet von 7.953 Quadratkilometern – eine Fläche halb so groß wie das Bundesland Schleswig-Holstein. Laut der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2002 leben gerade einmal 700.000 Menschen in Nordossetien-Alanien. Die Republik hat also rund 200.000 Einwohner weniger als die deutsche Großstadt Köln. 62 Prozent der Bevölkerung sind Osseten, 23 Prozent Russen und lediglich 1,5 Prozent Georgier.

Die meisten Menschen leben in der Hauptstadt Wladikawkas, die politisches und wirtschaftliches Zentrum ist. Hier sitzt die Regierung mit dem Präsidenten Tajmuras Dsambekowitsch Mamsurow und hier befinden sich auch die meisten Industriebetriebe der Republik, darunter Wodkafabriken.

Die Beziehungen des russisch-orthodoxen Nordossetiens zu den islamischen Nachbarrepubliken Inguschetien und Tschetschenien(und deren Hauptstadt Grosny) im Osten und Kabardino-Balkaria im Westen sind zeitweise extrem gespannt.

Im Herbst 1992 kam es im Grenzgebiet zu Inguschetien zu Pogromen, bei denen vermutlich 400 Menschen getötet und fast alle inguschetischen Bewohner von ossetischem Territorium vertrieben wurden.

Ab Herbst 1994 war die Stadt Mosdok im Norden von Nordossetien der wichtigste Stützpunkt der russischen Truppen und Kampfflugzeuge für den ersten und zweiten Tschetschenienkrieg.

Im Oktober 2004 nahmen tschetschenische Terroristen in einer Schule in Beslan über 1.000 Geiseln. Beim Sturmangriff russischer Einheiten wurden 330 der Geiseln getötet (darunter 186 Kinder), teilweise durch von den Terroristen gelegte Sprengsätze, teils aber auch durch Beschuss russischer Einheiten.

(Stand 8.8.2008)

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 9. September 2010 von Redaktion | Anmelden