Ossetien – Geschichte

Die dauerhafte Besiedelung des Gebiets am Rande desNordkaukasus beginnt bereits im 7. Jahrhundert vor Christus. Damals lassen sich dort iranischsprachige Stämme nieder. Bereits im 9. Jahrhundert gründen die Alanen – direkte Vorfahren der Osseten – den Staat Alanien (Alania).

Im ossetischen Selbstverständnis waren die Alanen ein Zweig der Skythen, die Osseten selbst also die Erben der skythischen Geschichte und Kultur. Die Osseten pflegen darum besonders den Kontakt zum Iran. Sie sind stolz darauf, als Arier zu gelten.

Die Schluchten des Kaukasus bieten den letzten Nachfahren der Skythen Schutz vor den Tatarenheeren

Die Osseten bewohnten historisch vor allem die Bergtäler in ihrem Teil des Kaukasus rund um den zweithöchsten Gipfel des Kaukasus, den Grossen Kasbek und entlang der Passstraße nach Süden. Die unzugänglichen Berge boten Schutz vor den Überfällen der Nomaden aus dem Steppengebiet im Kaukasusvorland und später vor den tatarisch-mongolischen Heeren des Tschingis Khan und Batu Khan.

In den ossetischen Bergtälern, die aus der Ebene meist nur durch enge Schluchten entlang reißender Sturzbäche erreichbar waren, sind bis heute zahlreiche Festungstürme, die zugleich Wohnungen für die Dorfbewohner waren, Zeugen dieser Zeit. Die ossetischen Wohnfestungen sind im Aufbau fast identisch mit den Festungstürmen der benachbarten Inguscheten oderTschetschenen.

Religion der Osseten: Sonnengöttin und Teigfladen

Die Osseten bzw. Alanen setzen in ihrer Religion die Traditionen der alten Skythen fort. Wichtigste Gottheit ist dabei die Sonnengöttin. Bis heute sind viele der damit verbundenen Traditionen noch erhalten. Auf eine ossetische Festtafel gehören bis heute unbedingt runde Teigfladen, die mit Kräutern oder Käse überbacken sind und als Sonnensymbol und Symbol des Lebens überhaupt gelten.

Unter dem Druck des Osmanischen Reichs und der Tataren wenden sich die Osseten bzw. Alanen später an Russland und begeben sich bereits 1776 als eine der ersten Kaukasusregionen freiwillig unter den Schutz des Zarenreiches. Russland beherrscht damit den Zugang zur Passstraße nach Georgien. Das östliche Georgien schließt 1783 einen Schutzvertrag mit Russland. 1864 annektiert Russland das Königreich Abchasien
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Wladikawkas (Beherrsche den Kaukasus) – Wichtigste Festung der Zaren im Nordkaukasus an der Passstraße nach Süden

1842 wird schließlich der Kreis Ossetien (Okrug) innerhalb Russlands gebildet und erst jetzt beginnt die Umsiedlung der Osseten aus den Bergtälern in die Ebene. Die FestungWladikawkas („Beherrsche den Kaukasus“), die an der Großen Heerstraße gelegen den Zugang zum wichtigsten Kaukasuspass beherrscht, wird zum Verwaltungszentrum des Gebietes – bis zur Oktoberrevolution und den anschließenden Bürgerkriegswirren.

Südossetien – eine widerspenstige Miniregion in Georgien

Von 1918 bis 1921 gehört Südossetien noch zur Demokratischen Republik Georgien, bevor die Bolschewiki die Südossetische Sowjetrepublik ausrufen. 1922 wird das Südossetische Autonome Verwaltungsgebiet (Oblast) innerhalb des sowjetischen Georgiens gebildet. Die Zentralregierung in Tiflis beginnt ihre Assimilationspolitik (siehe oben)

Dabei ist Südossetien nur 3.885 Quadratkilometer groß. Die im Jahre 1990 rund 75.000 Einwohner leben vor allem von der Landwirtschaft. Seit der Abtrennung von Georgien ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Laut unterschiedlichen Quellen liegt sie zwischen 40 und 60 Prozent. Die Bevölkerungszahl hat durch Abwanderung bis 2008 vermutlich auf etwa 50.000 abgenommen.

Georgischer Angriff auf Zchinwali fordert hunderte von Toten

In den letzten Jahren der Sowjetunion spitzt sich der Konflikt allmählich zu: 1990 bricht der erste bewaffnete Südossetien-Konflikt aus. Südossetien will nicht aus der Sowjetunion austreten. Paramilitärische Einheiten georgischer Nationalisten rücken auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali (Zchinvali) vor. Die Stadt wird lange belagert und beschossen, kann aber doch nicht eingenommen werden. Bei den Kämpfen kommen einige hundert Bewohner Zchinvalis zu Tode. Viele von ihnen müssen auf einem Schulhof in der Stadt begraben werden, weil der Friedhof unter Beschuss liegt. Sowjetische Truppen intervenieren.

Ossetien – De-Facto-Unabhängigkeit durch Friedenstruppen abgesichert

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 7. Oktober 2009 von Redaktion | Anmelden